Burn-Out und Erschöpfung oder wie schmeckt eigentlich das Hier und Jetzt?

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(Der Text erschien im Shiatsu Journal 85/2016)

Neben der Schwere der körperlichen Symptome, zeigt sich beim Burn Out Patient nicht selten eine spezielle Psychosomatik. Ausschlaggebend für einen Behandlungserfolg ist neben einer gut gewählten Shiatsubehandlung deren Berücksichtigung, das liebevolle Aufzeigen derselben und das Anbieten von Lösungsvorschlägen. Wird die Psychosomatik nicht anerkannt, besteht eine Neigung zum Selbstboykott, z.B. durch das nicht Einhalten von vereinbarten Behandlungsterminen oder das Abbrechen der begonnen Behandlungsserie.

Die Psychosomatik – Liebe nach Leistung

Durch Missinterpretation von Erfahrungen in der Kindheit entsteht ein Glaubenssatz wie: „Ich werde nur anerkannt und geliebt, wenn ich etwas leiste.“ Oder: „Mir darf es nur gut gehen, wenn ich vorher auch hart dafür gearbeitet habe.“

Im späteren Leben werden dann diese Erfahrungen mit Eltern oder Lehrern auf die Arbeitswelt und das soziale Umfeld übertragen, doch die erhoffte Liebe und Wertschätzung bleibt viel zu oft aus. Also wird nochhärter dafür gearbeitet, aber auch das bringt nicht das gewünschte Resultat.

Der gutgemeinte Lösungsvorschlag

Das Einüben von Selbstliebe, Wertschätzung des eigenen Körpers und dessen Grenzen sowie bedingungs-loser Selbstanerkennung wären hier die ersten Schritte aus dem Hamsterrad. Und was wäre hierfür besser geeignet als z.B Achtsamkeitstraining, Meditation, sanfte Yoga Asanas Qi Gong oder dergleichen?

Diese von uns vorgeschlagenen Verfahren wären in diesem Fall sicherlich bestens geeignet um unserem Ziel ein Stück näher zu kommen und einiges im Leben dieses Menschen zum positiven zu verändern.

Die Herausforderung besteht jedoch in darin diese so zu wählen, dass die Hürde überwindbar ist. Und oft kann der 1xwöchentliche Besuch des vor der Haustür stattfindenden Yoga Kurses schon zu viel sein, da das bisherige Zeitmanagment und die Prioritäten dies zunächst nicht zulassen.

Wir brauchen also eine realistische Aufgabe, deren Tätigkeit das Ziel und den o.g. Prioritätenwechsel im Auge behält und gleichzeitig den Menschen nicht überfordert.

Die Tasse Tee als tägliche Verabredung mit sich selbst

Was sich in meiner Praxis sowohl als realistisches Wekzeug als auch als Gradmesser für die Ernsthaftigkeit des Bemühens auf Seiten des Klienten herausgestellt hat ist die tägliche Tasse Tee.

In den letzten Jahren haben Auswahl und Qualität der erhältlichen Tees enorm zugenommen und so findet eigentlich jeder und jede nach etwas Suche einen Tee, der passt und schmeckt.

Die einfache Aufgabe besteht nun darin sich täglich etwa 15 Minuten Zeit zu nehmen und ohne jedwede Ablenkung diesen Tee zuzubereiten, sich ein schönen Platz zu suchen und ihn sodann in Ruhe und mit Genuss zu trinken.

Die Frage vor jeder neuen Sitzung lautet dann: „Haben sie Tee getrunken?“ Aber eigentlich meinen wir: „Hast du dir Zeit für dich genommen, hast du dich gekümmert und dich bedingungslos wertgeschätzt?“ Die Antwort auf die Frage zeigt den Grad des Erfolges auf dem Weg.

Atmung, Körperhaltung, Fokus – So wird`s richtig Zen

Wir können das Trinken der täglichen Tasse Tee noch mit einer bewussten Atmung, einer angenehmen Körperaufrichtung und unseren Fokus unterstützen. Wenn wir z.B. spüren: „Wie atme ich eigentlich? Und, kann ich mir die Zeit nehmen und den Raum geben, während ich diesen Tee trinke, damit sich die Atmung ein wenig vertieft?“

Erlaube ich mir eine aufrechte Körperhaltung und wie schmeckt der Tee wenn ich die Erde unter mir und den Himmel über mir spüre?

Wie ist es wenn ich diesem Augenblick wertschätze, indem ich auch meine Gedanken und Gefühle in diesen Moment einlade?